Anna Lena Diel

Anna Lena Diel

Autorin mit Blick in die Zukunft

REZENSION: Leere Herzen

REZENSION

Leere Herzen von Juli Zeh

btb Verlag | 352 Seiten | Erschienen am 13. November 2017

 

KLAPPENTEXT⁠
Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, “Die Brücke”, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der “Brücke” steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.

Als die “Brücke ” unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr …

“Leere Herzen” ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender‎ Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

 

MEINE MEINUNG
Nachdem ich Unterleuten von Juli Zeh gelesen habe, schlug ich Leere Herzen mit hohen Erwartungen auf. Der Anfang war vielversprechend. Mit ihrer kühlen und pragmatischen Art versprach Britta ein ungewöhnlicher und interessanter Charakter zu sein. Genauso ungewöhnlich, wie die Geschäftsidee, die hinter der “Brücke” steht. Ich war fasziniert von dieser morbiden Idee und wollte unbedingt mehr darüber erfahren und fragte mich, wo die Autorin mich hinführen wird.

Doch je weiter das Buch voranschritt, umso unbefriedigender wurde es. Als die Gefahr immer mehr ins Lampenlicht rückt, wurde es wirr und oft verstand ich Brittas Beweggründe nicht mehr. Zum Ende hin wurden die Fragezeichen um meinem Kopf immer größer und als ich das Buch schlussendlich zuklappte, fragte ich mich, was ich da gerade gelesen habe und vor allem: Was soll ich aus dieser Geschichte für mich mitnehmen?

Ich erkenne die Idee, mit der die Autorin an dieses Werk gegangen ist, habe jedoch den Eindruck, dass es sich vor allem um eine Moralpredigt handelt und dass das Buch vor allem eine Botschaft transportieren soll. Die Geschichte wirkt schwach, eher wie eine Skizze . Die entworfene dystopische Welt ist für mich als Leser nicht greifbar, die Gefahr, in der die Protagonistin schwebt, gleicht einem diffusen Nebel. Vor allem aber gelingt es dem Buch nicht, mich emotional zu packen. Die Geschichte mag zwar spannend sein und durchaus zu Denken anregen, und mit Brittas kühle und nihilistische Art eine ungewöhnliche Protagonistin bieten – da es jedoch nicht gelingt mich mitfühlen zu lassen, bleibe ich distanziert. Und als ich das Buch schließlich zuschlug, blieb in meinem Herz nur Leere zurück.

Die Geschichte selbst konnte mich nicht begeistern, doch möchte ich dennoch erwähnen, dass mich der grandiose Schreibstil der Autorin nach wie vor begeistert! Mit Leere Herzen konnte mich Juli Zeh zwar nicht überzeugen, aber dies wird garantiert nicht das letzte Buch von ihr sein, dass ich lese.l

@ Foto: Anna-Lena Diel
Cover: btb Verlag

18.08.2019

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