Anna Lena Diel

Anna Lena Diel

Autorin mit Blick in die Zukunft

SCHREIBUPDATE #1

SCHREIBUPDATE #1

Überarbeiten, Überarbeiten, Überarbeiten. Traurig aber wahr: Ich habe im Mai kaum etwas anderes gemacht, als das Manuskript von Wunschkind zum gefühlt tausendsten Mal zu überarbeiten. Ich kann mich noch erinnern, als ich die Rohfassung von Land der leeren Gesichter abgeschlossen hatte und mich ans Überarbeiten setzte. Damals sagte ich zu meinem Mann: »Jetzt fängt die wirkliche Arbeit an.«

Eine Geschichte zu schreiben kann ziemlich schlauchend sein, aber meistens ist es Freude und Inspiration pur. Jeder Schreiberling dürften wissen, was ich meine, wenn ich von dem Flow spreche: Jenem Zustand, in dem man alles um sich herum vergisst, sich nur noch auf die Geschichte konzentriert und die Finger wie von selbst über die Tastatur huschen. Wörter, entstehen Sätze, Seiten, eine ganze Welt. Die Figuren erwachen zum Leben und man hat nicht länger den Eindruck, dass der Autor die Geschichte erschafft. Stattdessen stolpert man hinter seinen Charakteren hinterher und versucht verzweifelt, alles aufzuschreiben, was geschieht.

Natürlich ist das Schreiben nicht immer so. Es gibt auch Durchhänger. Schwierige Szenen, die man ständig neu schreibt, weil mit ihnen etwas nicht zu stimmen scheint. Sie funktionieren nicht und nicht immer erkennt man auf Anhieb, woran das liegt. Es gibt Kapitel, die habe ich vier oder fünf Mal neu geschrieben, bis ich endlich damit zufrieden war. Ein Beispiel dafür ist jenes Gespräch in Neurogeister, in dem Felis und Hector Ignaz neue Informationen von Mynte erhalten. Immer und immer wieder habe ich die Seiten gelöscht und von neuem begonnen.

Eine Geschichte zu Schreiben ist wie eine Abenteuerreise: Manchmal dümpelt das Boot auf einem idyllischen Fluss dahin, manchmal muss man die Zähne zusammenbeißen und mit bloßen Händen eine senkrechte Bergwand erklimmen. Dennoch ist es ein Abenteuer, dass das Herz mit Freude erfüllt.

Überarbeiten hingegen … als ob man mit der Spitzhacke einen Tunnel in ein Bergmassiv gräbt: unendlich eintönig und gleichzeitig unendlich kräftezehrend. Das Problem ist, dass man dennoch jede Sekunde seine ganze Konzentration braucht. Wenn man eine Szene nur halbherzig überarbeitet, muss man noch ein zweites Mal drüber. Also lieber gleich richtig, bevor man doppelte Arbeit hat.

Zum Glück bin ich mittlerweile fast durch. Ich kann direkt sehen, wie Wunschkind zu glänzend beginnt. Nun stellt sich langsam die Frage, ob ich mit Wunschkind in einen Verlag will, oder ob ich mich mal als Selfpublisher versuche möchte. Mir ist klar, dass es extrem viel Arbeit ist ein Buch in Eigenregie herauszubringen. Dennoch reizt mich diese Vorstellung.

01.06.2019

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