Anna Lena Diel

Anna Lena Diel

Autorin mit Blick in die Zukunft

SCHREIBUPDATE #2

SCHREIBUPDATE #2

Was wäre ich ohne meine Testleser?

Manchmal ist es mir peinlich, wenn sie mich auf die banalsten Logikfehler aufmerksam machen. Ich baue mich mit dem Gedanken wieder auf, dass ich beim Schreiben eines Buches auf tausendundeine Sache geachtet habe, mir dann aber die tausendundzweite Sache entgangen ist. Niemand ist perfekt. Das Einzige, was wir machen können, ist an uns zu arbeiten, um uns stetig zu verbessern.

Inzwischen habe ich die Anmerkungen meiner ersten Testleserin eingearbeitet. Wahnsinn, was sie alles entdeckt hat! Bei vielen Sachen habe ich die Hände über den Kopf zusammengeschlagen und mich gefragt, wie zum Teufel ich DAS übersehen konnte!

Dank ihrer Hilfe ist Wunschkind so viel besser geworden! 

Mein zweiter Testleser braucht zwar seine Zeit, dafür ist er derart penibel, dass seine Anmerkungen einem Grundlektorat gleichen. Er hat mich teilweise echt ins Schwitzen gebracht und hat mir geholfen, die Charaktere und ihre Motivationen noch detaillierter auszufeilen.

An dieser Stelle erneut vielen Dank an die beiden!

Es ist übrigens sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Geschichte von zwei Menschen aufgenommen wird: Wie der eine Testleser sich an einer Szene stört, die der andere vollkommen in Ordnung findet. Oft überraschen mich die Testleser auch mit ihren Kommentaren, finden Szenen gut, die in meinen Augen eher schwach waren, oder gähnen bei Absätzen, die ich spannend fand.

Hierzu fallen mir die Reaktionen meiner Testleser zu Neurogeister ein: Die Besonderheit dieser Science Fiction Geschichte ist, dass sie aus der Ich-Perpektive erzählt wird und ich nicht verrate, ob es sich bei der erzählenden Person um einen Mann oder eine Frau handelt. In Neurogeister spielt das Geschlecht ohnehin keine Rolle, da die Menschen dank ihres digitalisierten Verstandes die Körper wechseln können, wie Kleidungsstücke.

Alle Testleser haben sich jedoch instinktiv für ein Geschlecht entschieden. Für manche war die Hauptperson männlich, für andere weiblich. Was ich besonders spannend fand: Vielen ist nicht einmal aufgefallen, dass ich das Geschlecht nicht genannt habe.

Was gibt es noch zu berichten? Ach ja, ich habe endlich alle meine Notizen zusammen geklaubt, um auszurechnen, wie viel Zeit ich bisher in Wunschkind gesteckt habe.

Nach Beendigung der Rohfassung hat Papyrus mir eine Bearbeitungszeit von 142 Stunden angegeben.

Anschließend ging es mit dem Überarbeiten los. Immer und immer wieder habe ich mich ans Manuskript gesetzt. Im ersten Durchgang konzentrierte ich mich auf das Auffinden der Logikfehler und den unplausiblen Stellen. 

Danach ging es an den Stil: Alles wurde ausgedruckt und ich setzte mich ganz Oldschool mit einem Stift in der Hand an den Schreibtisch, um langweilige oder schlecht geschriebene Passagen aufzuspüren. Nachdem ich alle Anmerkungen übertragen hatte, kam die Stilanalyse von Papyrus ins Spiel: Wortwiederholungen, Füllwörter, Adjektive, Adverbien, vager Begriff, Verfaulheit, Nominalstil, Zweitwörter, Phrase, Konjuktion, Passivkonstruktionen, Dialogauszeichnungen, zu lange Sätze … dank Papyrus war das Aufspüren kein Problem. Schwieriger war es zu entscheiden: Was soll so bleiben und was soll verändert werden?

Zum Schluss, wurde wieder ausgedruckt und erneut kam der analoge Stift zum Zug.

Das klingt nach viel und aus meiner subjektiven Sicht heraus habe ich für das Überarbeiten mindestens doppelt so lange gebraucht, wie fürs Schreiben. Meine Notizen behaupten jedoch, dass ich bloß 103,5 Stunden mit dem Überarbeiten verbracht habe.

Leider habe ich nicht notiert, wie viel Zeit das Plotten in Anspruch genommen hat. Ich gehe davon aus, dass es vielleicht zehn bis zwanzig Stunden waren (die Zeit, die ich auf dem Fahrrad fahrend oder unter der Dusche stehend über die Story nachgegrübelt habe nicht mit eingerechnet).

Theoretisch käme noch Recherche obendrauf, allerdings musste ich dafür gar nicht so viel investieren: Das Genetikgrundwissen stammt noch aus dem Studium, zudem habe ich mich für das Thema Genetic Editing schon zuvor interessiert. Hier und da musste ich beim Schreiben einige Details nachschlagen.

Nach Adam Riese stecken in Wunschkind bisher 260,5 Stunden.

Ich werde fleißig weiter notieren, wie viele Stunden ich noch mit Wunschkind verbringe. Bin schon gespannt, was für eine Zahl am Ende herauskommt

01.07.2019

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